Brüderli Longhini AG, Nutzungs- und Verwertungsrechte UZH IMM

KI-gestützte Befun­dung bei Atemwegs­infekten

Experten aus der Schweiz und Deutschland entwickeln gemeinsam im Projekt „KI-MikroBefund“ eine KI-gestützte Lösung zur automatisierten Auswertung von Laborbefunden bei Atemwegsinfektionen. Das soll zu einer effizienteren Diagnostik führen, medizinische Entscheidungen unterstützen und die Vorhersage von Infektwellen verbessern. Angestoßen wurde das Projekt vom Gesundheitsnetzwerk BioLAGO im Rahmen der Initiative Smart Health Region.

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Um die passende Antibiotika-Therapie bei Infektionen auszuwählen, muss zunächst der Erreger bestimmt werden. Das ist oftmals zeitaufwendig. Die Befunde müssen anschließend fachlich eingeordnet und interpretiert werden. Kommt es hier zu Verzögerungen, bedeutet das ein gesundheitliches Risiko für den Patienten, denn er erhält die passende Therapie nicht schnellstmöglich. Außerdem können sich durch die Gabe falscher Antibiotika resistente Erreger ausbreiten.

Zusätzlich erschweren unterschiedliche Datenformate und IT-Infrastrukturen den beteiligten Fachkräften die Nutzung der Labordaten. Hier setzt das länderübergreifende Projekt „KI-MikroBefund“ an, in dem das Universitätsspital Zürich, das Karlsruher Unternehmen medicalvalues GmbH sowie das Institut für Medizinische Mikrobiologie (IMM) der Universität Zürich gemeinsam eine KI-gestützte Befundungsplattform entwickeln. Diese soll mikrobiologische Labordaten automatisiert und für die Ärzteschaft verständlich interpretieren, mit lokalen Trends zu Antibiotikaresistenzen abgleichen und medizinisches Personal mit Handlungsempfehlungen versorgen. Das erhöhe nicht nur die Patientensicherheit, sondern senke den Arbeitsaufwand im Labor um bis zu 30 Prozent, so Projektleiter Dr. Oliver Nolte vom IMM.

Spürbarer Nutzen für Patienten, Klinik und Labor

Gebaut wird die Plattform von der medicalvalues GmbH. „Mit KI-MikroBefund wollen wir innovative Methoden nicht irgendwann, sondern jetzt in der Versorgung wirksam werden lassen: sicher, workflow-nah und mit spürbarem Nutzen für Labor, Klinik sowie Patientinnen und Patienten“, so Geschäftsführer Jan Kirchhoff.

Die Entwicklung der Lösung findet im Laborumfeld statt, ein Pilot wird am Universitätsspital Zürich getestet. „Als Kliniker sind wir an smarten Werkzeugen interessiert, die uns dabei unterstützen, die richtige Therapie einzuleiten. Ein besonderer Mehrwert dieses Projekts liegt in der Schaffung einer digitalen Wissensplattform zum Austausch mit Kollegen und Kolleginnen über Ländergrenzen hinaus“, bemerkt Professor Silvio Brugger, Leitender Oberarzt der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene am Universitätsspital Zürich. Aber auch andere Gesundheitseinrichtungen sind am Projekt beteilt: die Schwarzwald-Baar Klinik, das allgäuLab aus Kempten sowie das Konstanzer Labor Dr. Brunner. Ziel ist es, die entstehende Lösung in der Region Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein (ABH) in die Fläche zu bringen.

Hoher Bedarf an digitalen Lösungen

Das Interreg ABH-Programm fördert das Projekt mit rund 1 Mio. Euro. Die Idee dafür entstand im Rahmen der Initiative Smart Health Region des Gesundheitsnetzwerks BioLAGO e.V.

Unter der Koordination des Innovationsclusters wurden in drei Jahren bereits zwölf zukunftsweisende Projektideen zur Verbesserung der regionalen Gesundheitsversorgung mithilfe von Digitalisierung entwickelt. Die Hälfte davon wird in Forschungs- und Entwicklungsprojekten realisiert. Die Partner aus Industrie, Forschung und Medizin werden mit über 5 Mio. Euro gefördert. Laut BioLAGO-Vorstandsmitglied Dr. Jürgen Ruff haben sich über 40 Partner aus der DACH-Region beteiligt, denn der Bedarf an digitalen Lösungen in der Medizin sei hoch.

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